Der fette Eisbär

von Alice T.

 

a-tIm Sommer vor sieben Jahren sollte ich meinen ersten Hund bekommen, meinen ganz eigenen Hund. Ich hab ihn mir schon bildlich genau vorgestellt: Schlank, groß, sportlich. Doch als ich endlich vor ihm stand, war ich etwas enttäuscht. Mein neuer Hund war mittelgroß, fett, unsportlich und zu allem Überfluss noch enorm ängstlich. Ihre Zitzen hingen bis zum Boden, wie ich später erfuhr, wurde sie nur als Gebärmaschine benutzt. Trotzdem war ich von diesem blonden Etwas mit der roten Nase fasziniert.

Ihr Name war Linda, ein echt einfallsloser Name. Später bekam sie den Namen Kimba und viele andere Spitznamen wie Kimba, der fette Eisbär, Schinken-Spicker, Kebab, Pommes-Walze.

Ein Hund kann einem das Leben komplett auf den Kopf stellen und positiv verändern. Die erste Zeit mit Kimba war sehr gewöhnungsbedürftig. Wie schon gesagt, sie war sehr ängstlich, bei jeder Hand-, Bein- oder Körperbewegung zuckte sie zusammen, stöhnte auf und verkroch sich. Von einem Hundeführer wurde diagnostiziert, dass sie misshandelt wurde. Der Hundeführer gab mir ein homöopathisches Mittel, auch Bachblüten genannt.

Man merkte sofort die Verbesserung. Sie traute sich, durch die Küche zu laufen, aufrecht, ohne zu rennen und auch nicht mehr geduckt. Kimba traute sich immer mehr zu. Sie rannte, klaute mir meine Süßigkeiten aus meinem Schrank und räumte Mülleimer aus, aber im ganzen Haus.

Von Tag zu Tag besiegten wir ihre Ängste. Ich ging sehr oft mit ihr raus, um sie an alles zu gewöhnen: Autos, Menschen und Laute. Und anschließend, nach einem stressigen Hundetag, ging ich mit ihr schwimmen, was sie am liebsten tat, neben dem Fressen.

Kimba lehrte mich, was es heißt, Verantwortung zu tragen, geduldig und konsequent zu sein. Viele Menschen kaufen sich einen Hund, ohne zu wissen, was dahinter steht. Dass Hunde wie Kleinkinder sind, alles was nicht sicher verwahrt ist, wird auseinander genommen und versteckt. Menschen denken, dass sie es sind, die die Tiere leiten und befehlen, dabei sind es die Hunde, die dir dann das Leben befehlen, sie sagen dir auf ihre Art, geh mit mir raus, ich will spielen, schlafen, fressen, kuscheln, Mist bauen. Tiere lenken unser Leben, selten ist es anders rum.

Mittlerweile hat mein Hund vieles überwunden, sie läuft entspannt, traut sich auch mal zu bellen, spielt mit anderen Hunden und räumt immer noch die Mülleimer aus. Bachblüten werden nicht mehr benötigt.

So wie viele Menschen ihren Hund vorschicken, wenn es Ärger gibt, würde ich niemals meine Fette vorschicken. Ich liebe meine Dicke dafür viel zu sehr, als das ich sie hinterher zum Tierarzt bringen muss, der sie wieder zusammenflickt Der Rudelführer hat stets die Verantwortung, das Rudel zu schützen und nicht ins Gefecht zu schicken.

Meine Fette ist jetzt schon zwölf Jahre alt und wenn sie die Augen zu macht, wird ein großer Teil in mir auch die Augen zu machen.

 

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