Zwei Wochen in der schwedischen Wildnis

ein Reisebericht von A. I.

 

a-iDer Auftrag: In der schwedischen Wildnis überleben

Wie? Mit 15 kg Überlebensgepäck, zu Fuß und mit dem Kanu zur nächsten Zivilisation finden

Zeit: Zwei Wochen

Die Schwierigkeit an der ganzen Sache: Zehn Teenager beaufsichtigen, die einfach nicht fassen können, wie sie soooo lange ohne Handy, iPod und Internet überleben sollen.

17 Stunden Fahrt mit Reisebus und Fähre, dabei viermal umsteigen. Als wir ankommen, wird das Camp aufgebaut, es schüttet wie aus Eimern. Wir sind acht Betreuer und haben 40 Teenager im Schlepptau. Ich bin gerade mal so alt wie der älteste Teilnehmer und bin als Rettungs-Schwimmer und Teamer voll verantwortlich für zehn von den Halbstarken. Ich bin sehr aufgeregt.

Ich hab mir meinen Kopf rasiert, denn es ist Hochsommer, und in der Wildnis sind lange Haare unpraktisch. Die 14-jährigen Mädels sind trotzdem aufgestylt, geschminkt und tragen enge Oberteile mit Spagetti-Trägern. Allerdings nur den ersten Tag. Der Wander-Rucksack ist schwer und scheuert auf den Schultern. Das Make-up verschmiert im schweißnassen Gesicht.

Inzwischen sind es 37° C, und die Sonne kennt kein Erbarmen. Gott sei Dank sind die schwedischen Wälder kühl und schattig. Unsere Reisegruppe hat sich in vier kleine Gruppen aufgesplittet. Jetzt wandere ich also mit einem Betreuer-Kollegen und zehn Teilnehmern durch Mittelschweden. Tagsüber laufen, leiden, Wasser trinken, weiter laufen. Abends Zelte aufschlagen, schwimmen gehen, mit ökologisch abbaubarer Seife waschen, Tütensuppen und Kartoffelbrei über dem Campingkocher aufwärmen. Anschließend: Schlafen, falls die Mücken einen verschonen.

Mittlerweile sind wir eine zwölfköpfige Familie, wir lachen und leiden zusammen, genießen die Sonnenuntergänge und finden es furchtbar, mit einer Rolle Klopapier ins Unterholz stapfen zu müssen, auf der Suche nach einem stillen Plätzchen.

Als wir nach einer Woche von der anderen Gruppe die Kanus übergeben bekommen, machen wir alle zusammen ein großes Lagerfeuer. Hinterher sind alle froh, wieder zurück in die Einsamkeit der Wälder und Seen flüchten zu können, wo einem niemand begegnet außer einem selbst. Aus Großstadtkindern sind Naturliebende geworden. Megaparties und das perfekte Styling sind zweitrangig – das Gefühl der Zusammengehörigkeit und Nächstenliebe ist ein Grundbedürfnis, dem der Mensch sich nicht entziehen kann.

Die Erfahrung, die wir Zwölf miteinander teilen, ist etwas ganz Besonderes. Am Ende unserer Reise trägt jeder ein Stück Wärme im Herzen, die in unserer heutigen Gesellschaft so selten zu sein scheint. Doch mein schwedisches Erlebnis lässt mich erkennen: Es ist immer genug Liebe da.

 

 

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