Eine (Negativ-) Wertung der Lebenserfreulichkeit im Diesseits

von Leo

 

l-sWir werden geboren, wachsen und irgendwann macht der Körper nicht mehr mit und verfällt. Das Wesen, welches den Menschen ausmachte, begibt sich dann, je nach gewünschter Vorstellung, in den Himmel oder die Hölle, wird wieder geboren und sitzt mit Odin an der Tafel oder ist einfach nicht mehr existent. Nun hat der Fortschritt beim Menschen dazu geführt, dass Gedanken zu Papier gebracht werden können, so dass die Nachwelt sich wieder mit diesen beschäftigen kann. Worüber aber sich schon viele Generationen den Kopf zerbrochen haben ist folgende Frage: Warum existieren wir? Die Bibel geht vom Schöpfungsplan aus, die Evolution von einem Unfall, und wieder andere meinen, wir sind ein biologischer Supercomputer, um die Frage auf die Antwort (42) zu finden.

Die Menschheit sieht sich gerne als Krone der Schöpfung, verdrängt dabei aber, dass selbst der primitivste Einzeller das kann, was wir können: Fressen, verdauen und sich rapide vermehren. Nun könnte man ja anführen, dass der Einzeller nicht denken kann, wir aber schon. Dabei bestehen wir aus Myriaden von einzelnen Zellen, d.h., erst durch deren Wechselbeziehungen können wir als Menschen existieren. Interessant ist natürlich, dass durch die Evolution die Komplexität und Spezialisierung der Zellen bei den Vielzellern zunahm und sich zusätzlich eine Art von Bewusstsein entwickelte. Einige Primatenarten können sich im Spiegel erkennen (genau wie einige Walarten), sie beäugen sich und interagieren mit dem Spiegelbild, also mit sich selbst, andere Säugetiere (wie z.B. Eichhörnchen) sehen im Spiegel einen Aggressor und versuchen, diesen anzugreifen. Ist dies nur genetisch bedingt? Wenn nicht, warum sind dann nicht alle Tiere zur Selbsterkenntnis fähig? Und wenn doch, inwieweit ist unser Handeln dann selbstbestimmt und nicht ein genetisch bedingtes Verhaltensmuster.

Des Weiteren kennt jeder die Bedeutung von Medikamenten bzw. bewusstseinserweiternden Stimulanzien: Sie helfen bei Krankheiten, bei körperlichen wie auch seelischen, oder auch bei Stress. Auch hier zeigt sich, dem Körper fehlen manchmal nur einige Botenstoffe, um sich besser zu fühlen. Die Probleme werden dann von einer ganz anderen Seite gesehen und gelöst. Doch auch hier erkennt man, wie leicht der Mensch von außen und innen manipuliert wird, und es stellt sich die Frage:

Kann ich mich selber steuern oder steuert mein Körper mich?

Abschließend die viel gerühmte Intelligenz des Menschen. Sicher, er schafft es, neuen Lebensraum zu erobern, für den er nicht geschaffen wurde wie das Wasser, die Wüste oder der Weltraum. Doch auf welche Kosten erobert er diese Regionen? Die Weltmeere sind verdreckt, in der Wüste kann er ohne Technik nicht ein Luxusleben führen, und im Weltraum hinterlässt er sein Markenzeichen: Müll. Sicher, auch in der Natur gibt es Beispiele für das Verdrecken von Ökosystemen, aber diese sind regional begrenzt und dienen evolutionären Zwecken. Auch ist diese Intelligenz? diese Natur? grausam, sie lässt die Schwachen sterben, und nur die Angepassten können für Nachwuchs sorgen.

Doch wenn wir uns den Menschen als solches anschauen, stellen wir fest: Notdürftig behaart, außer in den Sexuallockstoff produzierenden Regionen, die aber nur beim Liebesspiel eine Rolle spielen und sonst als unangenehm empfunden werden. Er kann weder richtig gut sehen, schmecken, hören, fühlen und riechen. Er hat sich zwar die Natur untertan gemacht, um einige dieser Missstände auszumerzen, aber noch konnte er sich nicht selber verbessern. Aber mit Hilfe der Robotik wird er diese Verluste schon bald ausgleichen können. Doch verliert der Mensch durch künstliche Implantate nicht seine Menschlichkeit?

Der Mensch ist ein soziales Wesen, sprich: er braucht immer Artgenossen, um sich wohl zu fühlen. Doch wer mal das zweifelhafte Vergnügen hatte, vor den Feiertagen in einer belebten Einkaufsmeile zu verweilen, versucht sich einzureden, dass er mit dieser wimmelnden Individualmasse keine gemeinsame Schnittmenge besitzt. Laut schubsende, drängelnde oder sinnlos den Fluss der Bewegung blockierende Glieder dieses......der gesellschaftlichen Wirklichkeit werden nur als vage Schemen wahrgenommen, wären es Menschen wie du und ich, würde sofort der Tötungsdrang in einem erwachen.

Nein, diesem Gesindel möchte man sich nicht zugehörig fühlen, aber man kann seine tierische Herkunft nicht leugnen. Die Aggression nimmt zu. Jeder entwickelt unterschiedliche Strategien, um im Alltag zu überleben. Der eine schlägt zu Hause seine Familie, andere töten Tiere oder missbrauchen Kinder, und wieder andere geben sich der berauschenden und oft auch der Gehirn zerstörenden Wirkung von Drogen, legaler und illegaler Art, hin, um zu vergessen und der Trostlosigkeit ihres Lebens zu entfliehen.

Nun, um auf die eingangs gestellte Frage zurückzukommen: Was soll das alles? Sollen wir nur existieren, damit unser Gespoolt ordentlich durchgemischt wird, aber wenn ich das nicht schaffe? Doch warum diese Quälerei im Diesseits. Selbst im Staat existiert man nur noch als Nummer, das Individuum als solches hat in der Gesellschaft keinen Bestand mehr. Alles und jeder muss sich künstlich verjüngen, um akzeptiert zu werden. immer? ständig? für jeden? Sieht also so der Sinn des Lebens aus?

Jeder gebärdet sich so, wie andere es von ihm wollen, und wer gegen den Strom schwimmt, wird ausgegrenzt. Existiert es überhaupt, dieses Gegen-den-Strom-schwimmen? Nein! Sicher, es gibt immer Leute, die eine neue Richtung vorgeben, doch es gibt immer genug Nachahmer, so dass der Widerstand des eigentlichen Entgegenschwimmens umgewandelt wird in ein Mitschwimmen in der Gesellschaft.

Und nun die letzte Frage: Inwieweit habe ich Recht? Gibt es lebenswerte Momente, die einem die Qual des Lebens erleichtern oder sogar vergessen lassen können?